Vulkane Teil 1: Sakurajima & Kirishima


SakurajimaLangsam geht meine Veloreise in Japan ihrem Ende entgegen. Noch bleiben ein paar Tage aber in Fukuoka im Norden von Kyushu kommt das Velo wieder in eine Box. Und da bleibt es ziemlich sicher bis Neuseeland. Noch ist es aber nicht so weit. Hier kommt erst mal der Teil 1 meiner Vulkantour auf Kyushu.

Osaka – Shibushi
Nachdem ich mit dem Velo in Osaka angekommen war, genoss ich zwei Nächte in der Stadt und bereitete mich auf das nächste Kapitel Kyushu vor. Zudem genoss ich mit Koichi, einem angehenden Restaurantbesitzer aus Kanada, Ramen bzw. Soba (Japanische Nudeln). So hatte ich wieder einmal ein authentisches Essen :-). Und es schmeckte sehr gut.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Velo zum Fährhafen von Osaka, der etwas ausserhalb der Stadt liegt. Ein Ticket hatte ich bereits reserviert, aber ich musste es noch abholen. Und das war wieder mal eine kleine Herausforderung. Am Schalter drückten sie mir erst mal ein Formular in die Hand zum Ausfüllen. Danach drucksten sie ein wenig herum aber schrieben schlussendlich eine Uhrzeit auf einen Zettel. Und dann war auch klar, was sie mir sagen wollten: Check-in war erst in einer Stunde. Ich war also zu früh und ging deshalb etwas Essen.

Zur angegebenen Zeit war ich wieder zurück und es hatte sich in der Zwischenzeit auch schon eine Schlange gebildet. Schlussendlich bekam ich aber mein Ticket und auf einem Zettel wurde mir mitgeteilt, was ich nun zu tun hätte. Es fiel glaube ich kein Englisches Wort (ausser von mir), aber es klappte auch so und schon bald war ich auf der Fähre. Da die Fähre über Nacht fuhr, musste man auch eine Schlafgelegenheit buchen. Die günstigste Variante war ein riesiger Raum mit Matten am Boden. Ich entschied mich für die zweit günstigste, die etwas einem Massenschlag in einem Hostel entspricht. Und ich war sehr froh darum und kann diese Klasse (Tourist bed) nur empfehlen.

Nach einer kurzweiligen Nacht erreichten wir den Hafen von Shibushi im Süden von Kyushu. Kyushu ist die südlichste der grossen Inseln Japans. Da ich noch keine Karte und kein Trinkwasser für den Tag hatte, ging ich erst mal zum Touristbüro im Bahnhof von Shibushi. Die sehr freundliche Angestellte kommunizierte mit mir mit Hilfe eines Online Übersetzungstools :-). Weiter ging es zum Vulkan Sakurajima.

Sakurajima
Auf diesen Teil der Reise hatte ich mich schon länger gefreut. Der Sakurajima ist der aktivste Vulkan Japans. Und auch wenn er im Moment keinen grossen Ausbruch hat, so war die ausgestossene Aschewolke schon von weitem sichtbar. So richtig spektakulär sind Vulkane aber in der Nacht. Deshalb wollte ich auf dieser Vulkanhalbinsel übernachten; auch wenn es keine offiziellen Campingplätze gibt. Ich suchte mir einen passenden Platz und das war gar nicht so einfach. Schlussendlich fand ich aber einen Schutzunterstand (von dem es viele auf der Insel hat im Falle eines plötzlichen explosiven Ausbruchs), von dem aus man einen guten Blick auf den momentan aktiven Krater hat. Ich baute meine Kamera bei Einbruch der Dämmerung auf; gerade rechtzeitig um einen grösseren Ausbruch fotografieren zu können. Ich freute mich ungemein und hoffte auf weitere Ausbrüche. Aber trotz mehrstündigem Warten kam nichts mehr ausser Asche. Und das bedeutet in der Nacht: Man sieht nichts. Deshalb stellte ich meine Kamera auf Intervallaufnahme (in der Hoffnung, dass doch noch was passiert) und ging schlafen.

Es war eine etwas ungemütliche Nacht in dieser Betonröhre, aber wenigstens musste ich mir keine Sorgen wegen eines Ausbruchs machen. Als ich am Morgen die Aufnahmen kontrollierte, stellte ich aber fest, dass auch in der Nacht nichts mehr passierte. Der Vulkan spie immer noch Unmengen von Asche aus, als ich mich wieder auf den Weg machte. Und dieser Weg bzw. die Strasse führte mich mitten durch die Asche. Eine ziemlich ungemütliche Fahrt und nichts für KontaktlinsenträgerInnen… Schliesslich erreichte ich den Hafen von Sakurajima und genoss dort ein warmes Fussbad, bevor es mit der Fähre zur gegenüberliegenden Stadt Kagoshima ging. Eigentlich wollte ich in ein Hostel aber die waren wieder einmal komplett ausgebucht. Und so landete ich halt in einem günstigen Businesshotel. Ist immer lustig, wenn ich mit meinem verschwitzten Velokleidern und all dem Gepäck dort auftauche. Sonst sieht man fast nur Anzugträger… Am Abend spürte ich dann das zweite Erdbeben meiner Reise. Es war weniger als 100km entfernt aber mit 4.9 doch relativ schwach. Ich spürte es aber deutlich im 12ten Stock meines Hotels.

Kagoshima – Kirishima – Kumamoto
Weil es am nächsten Tag regnete, entschied ich mich noch einen Tag länger zu bleiben. Danach ging es aber weiter Richtung Berge. Das Tagesziel war die Vulkankette Kirishima nördlich der gleichnamigen Stadt. Im Moment ist der dortige Vulkan zwar wieder ruhig aber Anfangs 2011 war er ziemlich heftig ausgebrochen. Bilder von damals von der Webcam sind auf meiner anderen Webseite zu finden. Auf dem steilen Weg zum Vulkan hatte ich ein kurzes Gespräch mit dem Japaner Noni. Diese Gespräche sind für mich immer sehr positiv. Leider gibt es nicht allzu viele davon.

Kurz vor Anbruch der Nacht erreichte ich schliesslich meinen angepeilten Zeltplatz. Und leider war dieser bereits geschlossen. Er hat wohl schon seit längerer Zeit Ende der Saison. Da es in der Region ausser Bäume nichts anderes hatte, stellte ich trotzdem mein Zelt auf. Es wurde aber eine sehr unruhige Nacht, da sich die wilden Tiere der Umgebung ziemlich lautstark bemerkbar machten…

Am Morgen packte ich mein Zelt früh zusammen und machte mich auf den Weg. Und gleich um die Ecke befand sich ein Rastplatz. So war das Thema Toilette auch schon erledigt :-). Eigentlich wollte ich noch zum Vulkan Kirishima wandern. Aber die Pfade dorthin sind noch immer gesperrt. Deshalb liess ich es bleiben. Kurz bevor ich losfahren wollte, wurde ich von einem älteren Wanderer angesprochen. Unser Gespräch ging nicht weiter, als dass er mich fragte wie alt ich sei und er mir kommunizierte, dass er 52 sei (die meisten Wanderer hier sind älter). Daraufhin holte er aber einen Energy-Gel aus seiner Tasche und gab ihn mir. Ich kam mal wieder nicht aus dem Staunen raus aber bedankte mich herzlich. Danach ging es den Berg hinunter und nach einigen Kilometern wieder den nächsten Berg hoch. Mein nächstes Ziel war wiederum ein Camping und leider wiederholte sich dort das gleiche Spiel: Niemand dort und wahrscheinlich geschlossen. Ich wartete einige Zeit, aber stellte schlussendlich dort mein Zelt auf. Auch diese Nacht konnte ich nicht wirklich geniessen und das geht längerfristig an die Substanz. Aber erst Mal ging es weiter durch die Berge. Kurz nach dem Ort Suki stand ich auf einmal vor einem Schilderwald. Ich konnte zwar nicht lesen, was da genau drauf stand. Aber irgendwas sagte mir, dass ich hier nicht weiter sollte. Schlussendlich hielt ich einen Lastwagenfahrer an und der kommunizierte mir mit Handzeichen, dass die Strasse geschlossen sei. Die Frage war aber, welche Strasse und wo genau. Bis zum Vulkan Aso waren es immerhin noch mehr als 200km. Ich konnte das nicht wirklich herausfinden, aber da ich keine Lust hatte eine grössere Strecke wieder zurück zu fahren, entschloss ich mich einen anderen Weg zu suchen. Das bedeutete aber auch, dass ich die Berge verlassen und wieder Richtung Küste fahren würde. Da ich nicht wirklich eine Alternative sah, fuhr ich auf meiner neuen Strecke weiter. Aber erst mal ging es nochmals ziemlich heftig die Berge hoch. Ziemlich anstrengend und Schweiss treibend. Am späteren Nachmittag erreichte ich den Ort Taragi und kaufte im örtlichen Convenience Store was zu essen. Im Ort lief gerade irgend eine Prozession; mal was Neues. Danach ging es weiter Richtung Hitoyoshi. Dort sollte es wieder Mal einen Camping geben und wer weiss, vielleicht ist er sogar offen. Und ich hatte Glück: Es war der Städtische Zeltplatz und eine Familie hatte sogar schon ein Zelt aufgestellt. Ich gesellte mich dazu und kochte mal wieder was Richtiges. Die letzten illegalen Nächte hatte ich mich nicht getraut…

Nach einer recht guten Nacht (für ein Mal hatte ich keine Angst, dass mich jemand hinauswerfen würde), trocknete ich erst mal das Zelt ein wenig an der Sonne. Der Herbst ist definitiv hier und mit ihm der Nebel. Alles war sehr feucht. Ich beschloss deshalb die nächste Nacht in einem Hostel oder ähnlichem zu verbringen. Ein Hostel fand ich nicht, deshalb buchte ich mir wieder einmal ein Zimmer in einem Business Hotel. Dieses Mal in Yatsushiro. Und da es nicht allzu weit bis dahin war (weniger als 50km), nahm ich mir für die Strecke auch etwas Zeit. Als unterwegs an der Strasse eine Höhle auftauchte, besuchte ich die kurzentschlossen. Sie war nichts weltbewegendes aber ein paar Bilder davon findet Ihr in der Gallerie. Am Abend erreichte ich schliesslich Yatsushiro und genoss das Bett in vollen Zügen :-).

Nachdem ich mich von der sehr hilfsbereiten und perfekt Englisch sprechenden Angestellten verabschiedet hatte (sie war mit einem Amerikaner verheiratet), ging es weiter. Die Strecke durch die Berge war definitiv schöner und ruhiger. Dafür hatte es viele Ess- und Trinkmöglichkeiten am Strassenrand. Und so erreichte ich gut ernährt den Ort Kumamoto. Hier sollte ich zwei Nächte bleiben und während einem Tagesausflug den Vulkan Unzen besuchen. Mehr dazu im nächsten Blogeintrag.

Viele Grüsse aus Kyushu,

Stefan

PS: Der Sakurajima hatte einige Tage später einen ziemlich starken Ausbruch. Das wäre an meinem Übernachtungsplatz sicher eindrücklich gewesen… Seht selbst auf YouTube.


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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3 Gedanken zu “Vulkane Teil 1: Sakurajima & Kirishima

  • Sandra

    Hallo Stefan
    unglaublich! Das du immer noch nicht genug hast vom Velofahren und dein nächstes Ziel Neuseeland schon im Visier hast.
    Tolle Bilder vom Vulkan, wenn auch nur ein Ausbruch dafür warst du gerade zum richtigen Zeitpunkt da 🙂
    Ich wünsche dir weiterhin viel Spass und Ausdauer beim Strampeln 🙂
    Freue mich schon auf deinen nächsten Bericht.
    Auch hier herbstelt es sehr, evt haben wir am Wochenende schon den ersten Schnee bis in die Niederungen……
    Liebe Grüsse aus der kühlen Schweiz
    Sandra

  • Stefan Autor des Beitrags

    Hoi Sandra
    Schön von dir zu hören!
    Nein, genug habe ich im Moment noch nicht. Zudem gibt es ja schon bald eine Velofahrpause und ich werde mich dann sicher noch viel mehr auf’s Velofahren in Neuseeland freuen als ich im Moment eh schon tue :-).
    Liebe Grüsse und hoffentlich noch ein paar schöne Herbsttage,
    Stefan