El Calafate – Puerto Natales: Wind


Diejenigen, die diese Strecke schon ein Mal mit dem Velo gefahren sind, wissen wohl was nun kommt.

El Calafate – Tapi Aike
Ich weiss, ich jammerte viel über den Regen an der Carretera Austral. Und was der Regen dort ist, ist der Wind in der Argentinischen Pampa. Ich hatte viele Diskussionen mit anderen Velofahrenden, was denn schlimmer sei: Der Regen oder der Wind. Bis ich in die Pampa kam, dachte ich, es sei der Regen. Ich muss dies aber korrigieren: Es ist beides unangenehm. Aber Wind kann extrem anstrengend und gleichzeitig demotivieren sein. Aber der Reihe nach.

Auf der Strecke aus El Calafate hatte ich wunderbaren Rückenwind und ich kam in gut 2 Stunden fast 50km weit. Dann drehte aber die Strasse und mit ihr natürlich auch der Wind. Etwa 7km/h waren am Schluss noch das höchste Gefühle. Dank dem Rückenwind vom ersten Teilstück kam ich an diesem Tag trotzdem mehr als 100km weit und campierte wild in der Pampa, da weit und breit keine Unterkunft zu finden war.

Kurz nach Sonnenuntergang hörte der Wind plötzlich auf und eine schon fast gespenstische Still machte sich breit. Eindrücklich. Dies speziel kombiniert mit einem schönen Sternenhimmel. Ich war aber leider zu müde zum Fotografieren…

Auf dem Weg nach CerritoWildes Campieren in der Nähe von CerritoTapi Aike, Blick Richtung Torres del PaineMond in der Pampa, Tapi Aike

Der nächste Morgen (Donnerstag) begann wieder mit: Wind. Genau. Es war schon eine mittlere Herausforderung das Zelt abzubauen und zu versorgen. Während dem Tag wechselten sich Seiten-, Rücken- und Gegenwind immer wieder ab. Ich wurde aber ziemlich geschlaucht und war froh, als das Tagesziel endlich in Sichtweite kam. Völlig überraschend wurde ich da von zwei älteren Italiener (der eine schon pensioniert, der andere bald) überholt. Sie hatten es sehr pressant und sprachen nicht wirklich mit mir (was eigentlich nicht dem Veloreisenden-Knigge entspricht). Ich traf sie aber wieder in einer überraschend vorhanden Unterkunft am Etappenziel. Sie fuhren die Strecke von El Calafate, die ich in zwei Tagen gefahren bin, in einem Tag (mehr als 160km). Hut ab! Aber definitiv nichts für mich.
Wie gesagt gab es am Etappenziel überraschend eine Unterkunft. Und die war nicht nur gratis, wir wurden auch noch gleich von einem Angestellten des Strassenbauamtes bekocht. Eine sehr positive Überraschung! Und zum Dessert spendierten die Italiener noch einen Argentinischen Panetone, worauf ich ihnen den Fauxpax verziehen habe ;-).

Tapi Aike – Puerto Natales
Der eine Italiener hat sich bei der nahen Tankstelle informiert, wann der Wind am schwächsten sei. Und deshalb entschieden sie bereits um 6 Uhr loszufahren. Ich schloss mich ihnen an.
Als ich heute Freitag um 5.30 Uhr aufwachte, war es aber überhaupt nicht windstill, im Gegenteil. Zudem regnete es. So war es schlussendlich 7 Uhr, bis ich losfuhr. Und von Windstille war immer noch nichts zu sehen.
Nach mehr als 2 Stunden hatte ich erst 15km zurück gelegt. Und der Wind wurde nicht schwächer, sondern immer stärker. Als ich schlussendlich Gegenwind mit gemessenen mehr als 50km/h hatte, zog ich die Notbremse. Und das hiess: Autostopp. Dies auch, da ich seit Donnerstag etwas Rückenschmerzen habe und ich meinen Rücken nicht weiter strapazieren wollte.
Nun habe ich aber nicht wirklich viel Erfahrung mit Autostopp und schon gar nicht mit einem Velo und Anhänger. Ich hatte aber Glück und ein jüngeres Paar aus der Nähe von Buenos Aires nahm mich mit. Zu dritt vorne im Auto (kein besonders grosses) fuhren wir bis Rio Turbio; an der Grenze zu Chile. Eigentlich wollte ich Richtung Torres del Paine und dies via Cancha Carrera. Aber in dem Moment war mir nur noch wichtig aus dem Wind raus zu kommen. Und von Rio Turbio schaffte ich es dann auch noch gut per Velo bis nach Puerto Natales (Chile). Aber nicht ohne nochmals richtig vom Wind durchgeschüttelt und mit Graupel beworfen zu werden…

Die Preisfrage ist nun: What’s next? Der Wetterbericht für die Region ist nicht wirklich gut. Es soll weiterhin sehr wechselhaft sein und viel Wind geben. Nicht wirklich das optimale Wetter für eine Trekkingtour… Und wenn doch, soll ich mit dem Bus dorthin fahren oder doch mit dem Velo? Es sind doch noch einiges mehr als 100km. Zudem muss ich die nachher auch wieder zurück fahren. Fragen über Fragen…

Viele Grüsse aus Puerto Natales,
Stefan

PS: Wenn sich jemand die Frage stellt, ob er die Strecke mit dem Velo fahren soll oder doch besser den Bus nehmen soll, dann würde ich sagen: Nimm den Bus :-).

PS: PS: Ich habe wieder ein paar Bilder online gestellt: https://blog.biketravel.net/the-best/?lang=de
Sie sind aber im Moment noch nicht komplett beschriftet.

PS: PS: PS: Ich hatte in El Calafate auch noch das Vergnügen ein Englisches Paar kennen zu lernen, die in nördlicher Richtung unterwegs sind: Jenny und J. Ihre Webseite findet Ihr hier. Marco nahm von El Calafate aus den Bus nach Torres del Paine, da seine Ferien nicht mehr so lange sind. Und Paulo blieb in El Chalten, da seine Ferien auch schon fast vorüber sind. Mari/Simon und Sonia/Carlos sind irgendwo zwischen El Chalten und Puerto Natales.

PS: PS: PS: Und was ich noch sagen wollte: Meine Bewunderung haben all diejenigen, die sich den Strapazen hingeben und tagelang wenn nicht wochenlang gegen den Wind anfahren! Mir reichte es schon nach wenigen Tagen ;-).


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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5 Gedanken zu “El Calafate – Puerto Natales: Wind

  • Mäsi

    Hoi!

    Die Neuseeländer benennen ihre geographische Breite als „the roaring forties“! Von Neuseeland und Patagonien westwärts hat es etwa gleich wenig Hindernisse für den Jetstream…..

    Wünsche guten Rückenwind oder ansonsten darfst du den Bus ohne schlechtes Gewissen nehmen (musst es ja niemandem sagen 🙂

    Gruss

    Mäsi

  • ursi

    HI

    Bin auch für den Bus, ansonsten schick ich dir viel Rückenwind. Könnte dauern, wenn der Wind auch so lange braucht wie das Wwihnachtspäckli zu Mäsi nach Seattle. Deines hab ich gerade dabehalten, bzw. bei Papi eingelagert.

    Lieber Gruss

    Ursi

  • Stefan Kuettel Autor des Beitrags

    Also von hier aus, im warmen Internetcafe, würde ich sagen, dass ich das nächste Mal den Bus nehme :-).

    Ich würde den Breiten hier auch den Namen roaring forties geben… Das ist eben auch Patagonien…

    Stefan