Brookings – Seattle: Waschbären


Weiter ging es der Küste entlang Richtung Norden. Aber unser Ziel war eigentlich nur noch möglichst bald einmal in Seattle anzukommen. Wir brauchten eine Velopause. Bis dann mussten wir noch ein paar Hundert Kilometer fahren. Aber zuerst noch ein Nachtrag zu letztem Blogeintrag.

Und zwar war die Avenue of the Giants (die Allee der Redwood Bäume) zu Ende und die Strasse führte wieder durch offene Landschaft und entlang des Eel Rivers. Wir genossen die Sonne und Landschaft, als uns zwei Polizeiautos auf der rechten Strassenseite und ein Auto und Abschleppfahrzeug auf der linken Strassenseite auffielen. Das an und für sich wahr noch nichts Spezielles, da Unfälle immer mal wieder passieren und auch Fahrzeuge abgeschleppt werden. Das Spezielle hier war, dass links vom abgeschleppten Fahrzeug die Auffahrt zum Freeway war und unter dem Fahrzeug das Schild „Freeway Entrance“ hervor schaute… Irgendwie hatte da was mit dem Abzweigen nicht geklappt und sich das Auto danach so unglücklich auf dem Schild und zwischen den Strassen verkeilt, dass es abgeschleppt werden mussten. Wir waren leider zu erstaunt um davon noch ein Bild zu machen :-).

Aber nun zurück zu Aktuellem:

Brookings – Newport – Astoria

Auch in Oregon ging es weiter der Küste entlang. Der Unterschied zu Nordkalifornien war vor allem, dass diese Küste hier vorwiegend aus Sandstränden und Dünen besteht. Aber auch hier war das Wetter eher feucht, wenn wir auch das Glück hatten, dass es meist während der Nacht und weniger am Tag regnete. Die Herausforderung war dann jeweils nur das Zelt einigermassen trocken zu kriegen. An so einem regnerischen Tag kamen wir nach eine langen Fahrt (89km) über eine ziemlich hüglige Strecke im Washburn Memorial State Park an. Und wie an vielen Ort hiess es auch hier, dass es Schwarz- und Waschbären hätte. Deshalb kochten wir auf dem Hike & Bike Platz etwas vom Zelt entfernt, nahmen alles Essbare und sonst Riechendes aus unseren Taschen, füllten damit unsere zusammenfaltbaren Säcke und hängten diese an einem Seil hinauf in die Bäume. So vermeintlich gut vorbereitet gingen wir schlafen.

Mitten in der Nacht erwachte ich, da das Zelt einen Schlag erhielt. Ich meinte, dass Ines auf dem Weg zur Toilette über eine der Schnüre gestolpert war und schlief weiter. Aber das Zelt bewegte sich noch einmal und diesmal auf der anderen Seite. In der Zwischenzeit ahnte ich, dass dies nicht Ines ist, die da draussen herum irrt und hoffte, dass es kein Schwarzbär sei. Als ich meine Stirnlampe anzündete bemerkte ich, dass einige meiner Taschen im Vorzelt fehlten. Rasch zog ich meine Hosen und Schuhe an (schliesslich wollte ich nicht in Unterhosen einem Schwarzbären gegenüber stehen) und ging nach draussen. Einen Schwarzbären fand ich zum Glück keinen. Dafür funkelten mir die Augen eines Waschbären (Raccoon) im Dickicht entgegen. Zwischen mir und ihm lagen meine Taschen im Wald verstreut. Und daneben auch noch zwei Taschen von Ines. Obwohl in allen Taschen nichts mehr zum Fressen drin war, scheint es die Waschbären angezogen zu haben. Und der Waschbär gab auch nicht klein bei. Ich musste ihm hinter her rennen, damit er sich verzog. Danach entdeckte ich dann, dass dieses Vieh noch ein kleines Loch in mein Zelt gerissen hatte. Wohl als er sich aufstützte um die Taschen unter dem Aussenzelt hervor zu ziehen. Unglaublich! Aber zum Glück traf es mein relativ günstiges REI Zelt und nicht mein Hilleberg Zelt, welches schon wieder zurück in der Schweiz ist :-). Der Rest der Nacht blieb dann ruhig.

Weiter ging es der Küste Oregons entlang. In Gearhart verbrachten wir dann die letzte Nacht auf dem Boden von Oregon und uns wurde bewusst, wie lange Kalifornien ist im Vergleich zu den anderen Staaten ist.

Astoria – Bremerton – Seattle

Nachdem wir uns im örtlichen Subway und Starbucks für den Tag mit Kohlenhydraten eingedeckt hatten, ging es hinauf auf die Astoria Bridge, welche den Columbia River überspannt. Und was das für eine Brücke war! Wir verbrachten eine geraume Zeit auf den gut 6.5km. Zu unserem Vorteil wird im Moment an der Brücke gebaut, so dass teilweise nur eine Fahrspur befahrbar war. Und dies reduzierte den Verkehr natürlich erheblich bzw. staffelte ihn. Auf der anderen Seite befuhren wir den Boden von Washington, „The Evergreen State“. Das war ja schon recht vielversprechend, was das Wetter anging. Aber wir hatten Glück und Petrus öffnete die Schleusen erst, als wir den Camping in Bay Center erreichten. Dafür schloss er sie die ganze Nacht nicht mehr. Unsere Zelt- und Bikenachbarn Colin und Gillian (beide aus den USA und von Vancouver nach San Diego unterwegs) trockneten ihr altes Zelt am Morgen im Wäschetrockner. Uns waren unsere Zelte zu schade dafür und wir packten sie nass ein. Aber auch an diesem Tag hatten wir Glück und es blieb mehrheitlich trocken. Am Abend erreichten wir den Ort Montesano und wollten dort in einem Motel übernachten. Das war uns dann für gut 90 USD aber doch zu teuer und wir fuhren nochmals 15km weiter in ein Hostal. Hier bekamen unsere Velos mal eine richtige Dusche um all den Sand und Dreck von der Strasse los zu werden.

Zwei Tage später erreichen wir Bremerton, von wo aus wir die Fähre (welche in diese Richtung für Velos gratis ist) nach Seattle nahmen. Nach knapp 3’000km haben wir also unser nächstes Zwischenziel erreicht. Wir haben unsere Velos bei REI in den Service gegeben (meines bekommt nach knapp 5’000km unter anderem zwei neue Räder) und sind seit dem 24. Juni für gut zwei Wochen mit dem Auto unterwegs. Unter anderen haben wir vor Yellowstone zu besuchen. Danach geht es mit neuem Material und neuem Schwung weiter Richtung Alaska :-).

Viele Grüsse,

Stefan

PS: Die besseren Bilder sind wie immer in der Gallerie zu finden.


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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