San Francisco – Brookings: Redwoods


Nach San Francisco ging es wieder zurück an die Pazifik Küste mit dem Fernziel Seattle. Aber vorher war da noch der Rest von Kalifornien.

San Francisco – Bodega Bay – Mendocino

Nachdem wir San Francisco ausgiebig besucht hatten, ging es weiter Richtung Norden. Unser Weg führte dabei über die Golden Gate Bridge, welche am Samstag darauf ihr 75 jähriges Jubiläum feiern durfte. Wir waren natürlich nicht die einzigen Touristen auf der Brücke aber es war schon noch ein spezielles Gefühl mit dem Tourenvelo darüber zu fahren. Nach einem Zwischenhalt beim örtlichen Subway ging es weiter das Tal hinauf bis zum Taylor State Park. Und da hatten wir eine Begegnung der etwas anderen Art. Aber bevor ich dazu komme, muss ich etwas ausholen. Auf vielen State Parks in Kalifornien und auch in anderen Staaten gibt es spezielle Plätze innerhalb der Campingplätze, die nur von Hikern und Bikern genutzt werden dürfen. Sprich man darf nicht mit einem motorisierten Fahrzeug anreisen. Häufig ist das ein grosser Platz, auf dem alle ihre Zelte aufstellen. Die Hike&Bike (H&B) Sites haben zwei grosse Vorteile: sie sind mit etwa 5 Dollar pro Person sehr günstig und man kann sie nicht nicht reservieren. Das heisst, man hat praktisch immer Platz, auch wenn der Camping an und für sich schon gefüllt ist. Dies ist umso wichtiger, da man mit dem Velo ja nicht noch schnell 50 Kilometer zum nächsten Camping fahren kann. Soviel zu dem. Wir kamen also auf dem Taylor State Park an, bezahlten für H&B Plätze und begannen auf dem entsprechenden Platz unsere Zelte aufzustellen. Wir waren noch nicht fertig, als ein aufgebrachter Amerikaner auf den Platz kam und meinte, dass er extra am Morgen schon hier gewesen sei und den Platz reserviert hätte. Auf meinen Einwand hin, dass man auf den H&B Plätzen nichts reservieren könne, meinte er genervt, dass ich zurück nach Frankreich solle („Go back to France“) und verliess den Platz wieder. Anscheinend kamen für ihn alle Ausländer, die ihn nervten, aus Frankreich… Er quartierte sich danach auf einem Nachbarplatz ein und trank dort weiter seine mitgebrachten Alkoholikas. Als später der Ranger auftauchte, reklamierte er auch bei ihm. Der Ranger erklärte ihm daraufhin das Konzept von den H&B Plätzen, was ihn aber nicht wirklich beruhigte. Wir hörten ihn an diesem Abend noch mehrfach ausrufen aber wenigstens blieb er auf seinem Platz…

Am nächsten Tag ging es bei der Tomales Bay wieder zurück an die Küste. Die Bay scheint hier durch den Sankt Andreas Graben (die bekannte Verwerfung) gebildet worden zu sein. Aber auch hier blieb die Erde ruhig, wie schon auf der ganzen Strecke in Kalifornien. Ich hoffe für die Bewohner der Region, dass das nächste starke Beben noch lange auf sich warten lässt. Im Ort Tomales Bay plünderten wir dann die örtliche Bäckerei. Sie mussten nachher gleich neu backen. Aber wahrscheinlich nicht nur wegen uns :-). Auf dem Camping im Ort Bodega Bay trafen wir auf die erste grössere Velogruppe und hatten einen schönen Abend auf dem H&B Platz. Aber auch diese Gruppe fuhr natürlich von Nord nach Süd wie praktisch alle, die wir bisher getroffen hatten.

Weiter ging es Richtung Norden, wobei wir bereits in Jenner in einem wunderbaren Café hängenblieben und die Sonne auf der Terrasse genossen. Wir hatten wohl geahnt, dass es an diesem Tag noch sehr windig und hügelig werden würde… Aber auch so erreichten wir schlussendlich einen Camping, wenn auch nicht der geplante…

Mendocino – Avenue of the Giants – Eureka

Nach Mendocino bzw. Fort Bragg erwartete uns die grösste Steigung auf der Strecke. Auf dem Höhenprofil der Velokarte sah sie ziemlich eindrücklich aus, wobei eine andere Tourenfahrerin meinte, dass dieser Hügel „over rated“ sei. Und sie hatte recht. Zwar ging es verhältnismässig lange aufwärts aber der Hügel gleich zuvor war erheblich steiler. Nach einer rasanten Abfahrt erreichten wir den Ort Legget, indem man mit dem Auto durch einen Baum fahren kann. Das nennt sich dann „drive-through tree“. In unserer Naivität dachten wir, dass dies kostenlos sei und bemerkten unseren Irrtum erst, als wir bereits etwas von der Strasse weg zu diesem Baum hinunter gefahren waren. Zähneknirschend bezahlten wir 3 Dollar pro Person. Doppelt geärgert hat uns, dass ein Auto „nur“ 5 Dollar kostete. Aber wir waren auch selber schuld, dass wir dies überhaupt machten.

Danach ging es weiter Richtung „Avenue of the Giants“. Hier führte die Strasse mitten durch Wälder mit riesigen Redwood Bäumen. Mit dem Velo durch diese Wälder zu fahren und auch zu wandern war schon sehr eindrücklich und etwas vom bestem, was ich auf dieser Tour in den USA bis jetzt gesehen hatte. Leider sind die Bäume wegen ihrer Grösse aber auch sehr schwierig zu fotografieren…

Unterwegs begannen wir auch etwas mehr zu spüren, dass der Staat Kalifornien so gut wie bankrott ist. Einzelne State Parks waren geschlossen oder werden bald geschlossen, in einem Park gab es keine Papierhandtücher mehr und in einem anderen waren Teile der sanitären Anlagen geschlossen. Auch sonst sieht man, dass es in diesem Land doch recht grosse wirtschaftliche Probleme gibt. Speziell im Umfeld von Einkaufszentren trifft man relativ viele Leute, denen es nicht so gut zu gehen scheint.

Eureka – Klamath – Brookings

In der Zwischenzeit waren wir im Norden von Kalifornien angekommen und das Wetter wurde damit auch erheblich feuchter. Nachdem wir im südlicheren Teil der Strecke praktisch nie Regen hatten, mussten wir uns fast wieder daran gewöhnen, dass man auch im Regen fahren und zelten kann. Aber zum Glück gab es im Ort Trinidad wieder ein super Café, wo wir  eine heisse Suppe und Erdbeer-Brownies genossen und unsere Kleider trockneten. Dies so lange, bis sie begannen um uns herum den Boden zu wischen. Auf meine Frage hin, ob sie bald schliessen würden, meinte die eine Dame dort, dass sie eigentlich schon geschlossen hätten… So mussten wir halt doch wieder in den Regen hinaus und weiter. Zum Glück hörte der Regen am nächsten Tag wieder auf und wir konnten unsere Zelte wieder etwas trocknen. Leider war die Regenpause aber nur von kurzer Dauer und so verliessen wir das in der Zwischenzeit doch ziemlich feuchte Kalifornien und erreichten Oregon. Mal schauen, was dieser Staat zu bieten hat. Trockener wird es aber wahrscheinlich eher nicht. Mehr dazu im nächsten Blog-Eintrag.

Viele Grüsse,

Stefan

PS: Die Bilder in der Gallerie sind nun online.


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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4 Gedanken zu “San Francisco – Brookings: Redwoods

  • Sandra

    Hallo Stefan
    vielen Dank für deine ausführlichen Berichte, welche immer spannend zum Lesen sind. Wau, ihr seit über die Golden Gate Bridge gefahren… kann mir vorstellen welchen Eindruck das hinterlassen hatte. Diese Brücke ist einfach so etwas von eindrücklich. Wenn ich dir Flossen für die weitere Reisen in den Norden schicken soll, lass es mich wissen 🙂
    Ich wünsche euch weiterhin ein gute und problemlose Reise. freue mich schon auf den nächsten blog.
    Liebe Grüsse aus der heissen Schweiz
    Sandra

  • Marco

    Salut,
    wow, schon in Seattle, gratuliere!! Da habt ihr ja ein weiteres grosses Etappenziel erreicht. Wünsche euch weiterhin gute Fahrt gegen Norden. Schwinge mich am Sonntag am Napf-Marathon auch aufs Bike.
    Gruess aus dem sommerlichen Luzern

  • Stefan Autor des Beitrags

    Vielen Dank euch beiden! Das Wetter war auf dem Weg nach Seattle zwar feucht aber doch nicht all zu schlimm. Mal schauen was Alaska und Kanada da bringen.