Tanna und Yasur – Vanuatu Teil 2


Helen und der Vulkan YasurNachdem mir nahe gelegt wurde, doch wieder einmal einen Blogartikel zu schreiben, mache ich dies doch gerne. Noch immer habe ich Ferien vom Velo fahren in Vanuatu. Nur herum gesessen bin ich aber nicht, wenn doch ziemlich viel… Hier mal der Teil zwei über die Vulkaninsel Tanna.

Eine spezielle Erfahrung unter Wasser
Nach erfolgreichem Abschluss der zwei Tauchkurse, absolvierte ich noch drei ganz normale Tauchgänge. Wobei so ganz normal waren diese natürlich wieder einmal nicht. Beim ersten Tauchgang reduzierte ich das Gewicht meines Bleigürtels (den braucht man um überhaupt abzusinken, ansonsten bleibt man an der Oberfläche…). Beim vorhergehenden Tauchgang war das so gut. Aber mit dem Material etc. bei diesem Tauchgang, hatte ich massiven Auftrieb und kämpfte die ganze Zeit um überhaupt in der Tiefe zu bleiben… Das brauchte enorm viel Energie und als Folge davon auch viel Luft. Meine Flasche war entsprechend schnell leer… Beim nächsten Tauchgang ging ich wieder zurück zum alten Gewicht und das war dann wieder tip top.

Auch der dritte Tauchgang verlief ganz normal. Als wir aber am Schluss in gut 5m Tiefe einen sogenannten Safety Stop (eine Pause für den Druckausgleich) einlegten, bemerkten wir auf einmal einen Lärm. Zuerst dachten wir, es sei der Motor unseres oder eines anderen Bootes. Unser Boot bewegte sich aber nicht und von einem anderen Boot war nichts zu sehen. Zum Lärm kam noch eine Vibration, die man deutlich am ganzen Körper spüren konnte. Nach etwa 20 Sekunden war der Spuk vorbei. Als wir wieder an Bord waren, meinte Jim, der Kapitän unseres Bootes, das es evtl. ein Erdbeben gewesen sei. Er habe aber an der Oberfläche nichts bemerkt. Auf dem Weg zurück zur Tauchbasis bekam dann meine Mittaucherin einen Anruf von ihrem Chef in Australien (sie leitet ein Ressort in Port Vila). Dieser wollte wissen, ob nach dem Erdbeben alles ok sei. So bekamen wir die Bestätigung für unsere Vermutung aus mehreren Tausend Kilometer Entfernung. Tatsächlich war es ein Erdbeben der Stärke 6 in gut 100km Entfernung. Auch wieder mal eine neue Erfahrung :-).

Tanna – Ein Besuch in einer anderen Welt
Am zweiten März ging es dann mit AirVanuatu nach Tanna. Dieser Flug dauerte lediglich gut 40 Minuten. Dafür war er 30 Minuten verspätet. Bis wir unser Gepäck bekamen, dauerte es nochmals gut 20 Minuten. Island Time halt. Tanna ist die südlichste der grösseren Inseln von Vanuatu. Und ihre Hauptattraktion ist der aktive Vulkan Yasur. Dieser liegt im Süden der Insel. Ich wollte möglichst viel Zeit in der Region des Vulkans verbringen und entschied mich deshalb für eine Unterkunft am Fusse des Vulkans. Und zwar für das Banyan Castle, welches unter anderem ein Baumhaus anbietet. Ich hatte im Vorfeld per Email Kontakt mit John, dem Besitzer dieser Unterkunft. Er meinte auch, dass am Flughafen ein Andre auf mich warten würde, um mich dorthin zu transportieren. Ich wurde am Flughafen dann auch tatsächlich angesprochen. Der Fahrer hiess zwar nicht Andre, aber er sollte mich zu meiner Unterkunft bringen.

Zusammen mit drei weiteren Touristen in der Kabine und weiteren Einheimischen auf der Ladefläche ging es durch den Regen Richtung Süden. Geteerte Strassen gibt es in Tanna keine, aber ein Teil der Strasse durch die Berge war seit neuestem betoniert. Das war auch gut so, regnete es doch in Strömen. Schlaglöcher gab es auch so noch genug. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt erreichten wir die Ascheflächen des Vulkans. In der Zwischenzeit hatte aber schon die Nacht das Zepter übernommen und man sah so ziemlich nichts vom Vulkan. Ich persönlich hätte auch die „Strasse“ nicht mehr wirklich gesehen, aber für den Fahrer schien die Dunkelheit kein Problem zu sein.

Nach weiteren gut 30 Minuten erreichten wir schliesslich unsere Unterkünfte. Ich wurde von John und seiner Familie herzlich empfangen. Ich war der einzige Gast (was mich nicht wirklich erfreute, da ich schon ziemlich viel Zeit alleine in der Unterkunft in Port Vila verbracht hatte) und bekam deshalb das Baumhaus. Kurze Zeit später wurde das Nachtessen serviert, welches ausgezeichnet schmeckte. Was es ausser Reis und Nudeln genau gab, weiss ich aber nicht und will es auch gar nicht wissen…

Strom und Licht gibt es in dieser Region nur vom Benzingenerator. Und dieser wurde kurze Zeit nach dem Essen wieder abgestellt. Und so legte ich mich halt schlafen. Es regnete ziemlich die ganze Nacht durch und dazu gesellte sich auch noch starker Wind, was dazu führte, dass mir das Moskitonetz im Baumhaus in der Nacht ziemlich um die Ohren flog… Auch das ein Erlebnis :-).

Vulkan Yasur
Der Regen hörte am nächsten Tag auf und ich konnte den Vulkan Yasur von meinem Baumhaus aus bestaunen. Man hörte deutlich seine Explosionen und die Druckwellen bewegten jeweils die Vorhänge an den Fenstern. Ziemlich eindrücklich und dies mehrere Kilometer vom Vulkan entfernt. Eigentlich wollte ich an diesem Abend schon das erste Mal zum Vulkan wandern, aber am Nachmittag setzte wiederum starker Regen ein. Dann halt am nächsten Tag. Ich hatte ja Zeit. In der Nacht zeigte sich der Wiederschein der glühenden Lava in den Wolken über dem Vulkan. Was für ein Spektakel, welche ich natürlich fotografisch festhalten musste :-).

Am nächsten Tag klappte es schliesslich mit einem Besuch beim Yasur. Josephine und Felma, zwei der Töchter von John zeigten mir als Führerinnen den Weg. Dieser führte uns gemächlich ansteigend Richtung Vulkan. Unterwegs musste man einen Eintritt entrichten, der mit gut 37 USD doch ziemlich hoch ist. Anscheinend bleibt das Geld aber in der Region und wird unter anderem für den Kauf von Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung im Falle eines stärkeren Ausbruchs verwendet. Dies hat mir jedenfalls John erklärt. Nach gut 45 Minuten zu Fuss erreichten wir schliesslich den aktiven Krater. Ich war überglücklich wieder am Rande eines aktiven Vulkans zu stehen. So nahe war ich das letzte Mal 2002 beim Stromboli in Italien. Heftige Explosionen schleuderten immer wieder Lavafetzen in die Höhe. Es war eindrücklich die dazugehörigen Druckwellen am eigenen Körper zu spüren. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und machte unzählige Video- und Fotoaufnahmen.

Kurz nach Einbruch der Dämmerung verliessen die ersten Besucher den Vulkan bereits wieder, was für mich doch ziemlich unverständlich war, da das wirklich Spektakel erst begann. Eine gute halbe Stunde später wollten auch meine Begleiterinnen zurück, aber ich konnte sie überreden noch etwas zu bleiben. Schlussendlich gab ich aber nach und wir machten uns wieder auf den Weg nach unten. Zum Glück hatte ich eine Taschenlampe dabei. Meine Begleiterinnen hätten den Weg wohl auch ohne Lampe gefunden. Ich aber sicher nicht :-). Glücklich genoss ich nach unserer Rückkehr das Nachtessen und ging schlafen. Aber natürlich nicht ohne nochmals den Vulkan von meinem Bett aus zu bestaunen, bevor sich die Wolken schlossen und der Regen wieder einsetzte.

Am nächsten Tag regnete es vom Morgen bis am Abend. Das war mir aber ziemlich egal, da ich den Vulkan ja schon mal gesehen hatte. Dieser Tag war aber trotzdem speziell, da es in ganz Vanuatu der Chief Day war. An diesem Tag danken die Menschen dem Chief (Chef im Dorf/Clan etc.) für seine Arbeit. Zusammen mit einer weiteren Besucherin von einer anderen Unterkunft wurde ich dazu eingeladen, was ich sehr schön fand, da es so was wie ein Familienfest war. Zuerst wurde dem Chief gedankt, dann hielt dieser eine Rede, danach gab es Geschenke für ihn und seine Frau und schlussendlich wurde gemeinsam gegessen. Am Nachmittag war ich dann zurück in meinem Baumhaus und verbrachte meine Zeit mit Nichtstun (war für einmal auch ein gutes Training, wenn auch ziemlich anstrengend…).

Leben am Fusse des Vulkans
Das Banyan Castle ist ein reiner Familienbetrieb. Die Bungalows wurden von John (und evtl. anderen Helfern) in Handarbeit mit lokalen Materialien gebaut. Das einzige wirkliche Hilfsmittel war eine Kettensäge, mit der auch die Bretter zugeschnitten wurden. Um diese Maschine zu kaufen, hatte John ein Darlehen aufgenommen, dass er über mehrere Jahre wieder abzahlte. Nun spart er auf ein Auto um auch Transporte anbieten zu können. Die Leute hier leben im und mit dem Dschungel. Viele der Nahrungsmittel bauen sie selbst an und halten zudem Hühner, einige Schweine und wenige Kühe. Einkommensquellen gibt es nicht viele, ausser eben dem Tourismus. Mehr und mehr Familien fangen deshalb auch an einfache Unterkünfte anzubieten. Wobei ich sagen muss, dass ich ziemlich beeindruckt war, was sie hier praktisch aus dem nichts hervor zaubern. So war meine Baumhütte ein Bijou, abgesehen von den Ameisen. Aber an diese gewöhnt man sich eh am Besten, da man diese hier überall findet.. Und auch das Essen war sehr gut. Man darf nicht vergessen, dass wir hier mitten im Dschungel sind.

Ich war ziemlich überrascht, als ich hörte, dass die Eltern in Vanuatu dafür zahlen müssen, damit die Kinder an die Schule gehen können. Dann wird es aber auch nachvollziehbar, dass man hier für vieles (z.B. eben den Besuch des Vulkans, eines Strandes, ein paar heissen Quellen etc.) zahlen muss. Wie viele der Kinder schlussendlich wirklich zur Schule gehen, weiss ich aber nicht und ich getraute mich auch nicht recht so direkt zu fragen. Die Menschen leben also in ziemlich einfachen Verhältnissen aber sie sind ausgesprochen freundlich und sie lachen viel, speziell die Kinder. Das ist mir doch immer wieder positiv aufgefallen. Sie scheinen doch recht glücklich zu sein.

Port Resolution
Nach ein paar Tagen am Fusse des Vulkans zog ich etwas weiter nach Port Resolution. Der Ort ist eigentlich weniger als 10km entfernt. Die Strasse dorthin ist aber so schlecht (und durch die starken Regenfälle der vorhergehenden Tagen wurde sie auch nicht besser), dass dies mit dem Auto zwischen 20 und 30 Minuten dauerte. Meine neue Unterkunft war der Yacht Club, wobei man darunter nicht zuviel erwarten sollte. Anscheinend hatte der Yacht Club die ersten Bungalows im Ort. Die Sicht über die Meeresbucht hinüber zum Vulkan ist auch wirklich wunderbar. Am Abend traf dann auch Helen (bei ihr habe ich mein Fahrrad deponiert) hier ein. Sie startete am Morgen in Wellington in Neuseeland und war nun am Abend in Port Resolution in Tanna. Ein ziemlicher Kulturschock. Aber wahrscheinlich war sie zu müde um das überhaupt richtig zu merken ;-).

Am nächsten Morgen erkundeten wir zu Fuss etwas die Region und besuchten das lokale Dorf. Danach ging es weiter an den Strand in der Bucht. An dem warteten schon viele Einheimische, weil heute lag ein kleines Kreuzfahrtschiff in der Bucht und die Passagiere besuchten den Vulkan. Das ist immer auch die Gelegenheit etwas zu verkaufen oder sonst wie etwas Geld zu verdienen. Wieso die Leute aber den Vulkan nur am Tag besuchen gehen, kann ich noch immer nicht nachvollziehen… Wir besuchten die lokalen heissen Quellen (was uns pro Kopf gut 12 USD kostete). Den Guide dazu kostete nochmals etwa 6 USD. Die Tour war ziemlich interessant, auch wenn es von Ameisen nur so wimmelte. Am Abend ging es dann (für mich nochmals) zum Vulkan. Dieses Mal war er etwas weniger aktiv, aber es war immer noch ein Spektakel. Auch konnten wir etwas länger bleiben. Aber um 19.30 Uhr war wiederum Schluss und es ging zurück nach Port Resolution.

Der nächste Tag sollte auch schon der letzte Tag in Port Resolution sein und wir gingen deshalb noch etwas Schnorcheln. Dies zusammen mit den einheimischen Kindern, die das warme Nass ebenfalls genossen. Am Nachmittag ging es dann mit dem Auto zurück in den Norden der Insel. Diese Transporte sind ziemlich teuer (für gute zwei Stunden gut 80 USD für zwei Personen), aber sie sind gleichzeitig auch der öffentliche Verkehr der Insel. Die Einheimischen zahlen nichts oder nur verhältnismässig wenig. Also Tourist finanziert man das System also mit, was ich durchaus ok finde. Mit grosser Wahrscheinlichkeit in diesem Auto vergass ich dann aber leider meine kleine schwarze Nikon AW100 Kamera und ich konnte sie bis heute auch nicht wieder auftreiben. Das ist auch der Grund, wieso ich nicht allzu viele Bilder von Tanna habe. Wenn jemand eine solche Kamera gefunden hat, dann soll er/sie sich doch bitte bei mir melden. Merci!

Da unser Flug bereits um 8.50 am nächsten Morgen die Insel wieder verlassen würde, blieben wir über Nacht im Evergreen Ressort in der Nähe des Flughafens. Nach dem doch eher einfachen Leben der letzten Tage, war dies doch wieder ein Kulturschock. Dieses Mal in die andere Richtung. Ich bin jedenfalls froh, dass ich einige Tage in den einfacheren Unterkünfte in der Nähe des Vulkans verbracht hatte. Wenn man nur in den Ressorts im Norden der Insel bleibt und Ausflüge von dort aus macht, dann verpasst man doch einiges. Aber man muss sich auch im Klaren sein, auf was man sich einlässt. Jeden Tag neue Leintücher etc. liegen nicht drin…

Soviel zu Tanna. Mehr zu Santo und der restlichen Zeit in Vanuatu gibt es im nächsten Blogeintrag.

Viele Grüsse aus Vanuatu,

Stefan

PS: Bilder zu Tanna sind in der Galerie zu finden.


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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2 Gedanken zu “Tanna und Yasur – Vanuatu Teil 2

  • Sandra

    Hallo Stefan
    es immer wieder herrlich deine reiseberichte mit deinen erlebnissen zu lesen 🙂
    Wie eindrücklich muss das gewesen sein am rande des kraters zu stehen und mitzuerleben wie das innere der erde brodelt?
    Ich wünsche dir weiterhin viel spass auf vanuatu und freue mich schon auf deinen nächsten reisebericht.
    liebe und sonnige grüsse aus zürich
    sandra

  • Bernhard

    Hallo Steff

    Du scheinst ja richtig im Element zu sein mit den Elementen. Ich hoffe du verlernst das Velofahren nicht. : )

    Gute Weiterreise und viel Glück

    Gruss Bernhard