Tokyo – In Japan ankommen


Nun bin ich doch schon ein paar Tage in Japan und auch in Tokyo angekommen. Aber ich will ja mehr sehen als diese riesige Stadt und deshalb geht es schon bald wieder aus Tokyo hinaus weiter Richtung Süden und Richtung Berge. Zuerst musste ich ja überhaupt mal hierhin kommen. Und dies brachte schon die eine oder andere Herausforderung mit sich. Aber lest selbst.

Seattle – LA – Narita
Nachdem ich mit der Fähre in Bellingham angekommen und mit dem Zug nach Seattle gefahren war (um mit dem Velo hierhin zu fahren reichte die Zeit leider nicht mehr), brachte ich mein Velo zuerst mal zu REI in den Service. Und es gab doch wieder einiges zu tun: neue Kette, neue Kettenblätter vorne und neue Kassette hinten und zwei neue Pneus. Die Herausforderung war dann die grosse Kartonkiste, die ich brauchte um mein Velo nach Japan zu transportieren, zurück ins Hostel zu bringen. Schlussendlich bedeutete dies, dass ich das Velo mit der Kiste quer durch Seattle schieben durfte… Aber damit noch nicht genug. Als ich versuchte die Pedale abzuschrauben, musste ich resignieren. Anscheinend hatten die bei REI diese ziemlich stark angezogen. So musste ich halt am nächsten Morgen zum Mechaniker und der brauchte auch mit dem grossen Werkzeug noch ziemlich viel Kraft… Schlussendlich war das Velo aber verpackt und ich brachte es mit dem Zug zum weit entfernten Flughafen von Seattle. Dort liess ich das Velo über Nacht eingelagert. Dies, da ich das Velo und das Gepäck (total über 50kg) unmöglich hätte zusammen herumtragen können. Und ein Taxi war mir schlicht zu teuer… Mit nur noch gut 25kg Gepäck ging es  am nächsten Morgen mit dem Zug nochmals zum Flughafen. Und da erwartete mich die immer gleiche Herausforderung: Das Fahrrad möglichst günstig in den Flieger zu bekommen. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, dass ich möglichst wenige Gepäckstücke haben sollte, sprich zwei. Und eines davon war eben das verpackte Velo. Ich kaufte den Flug von Singapore Airlines, aber der erste Teil von Seattle nach LA wurde von Alaska Airlines durchgeführt. Die Frau am Check-in musste denn auch zuerst ein paar Abklärungen treffen. Schlussendlich kostete mich der Transport gut 170 USD. Und dies nur, da sie das Gewicht etwas abrundete. Ansonsten hätte es das Doppelte gekostet. Also aufgepasst mit Singapore Airlines… Dafür war der Flug selbst „nur“ gut 600 USD. Einweg, versteht sich. So ging es dann zuerst mal nach LA, dort wo meine Velotour in den USA begann.

Ich hatte mehr als drei Stunden Aufenthalt und dachte, dass dies locker reichen sollte. Als ich aber in LA ankam, fand ich meinen Anschlussflug nirgends aufgelistet. Also fragte ich mal nach und fand so heraus, dass ich das Terminal wechseln musste. Und dies zu Fuss. Nachher nochmals zum Check-in um meinen Boardingpass zu erhalten und durch die Security. Und schon hatte ich nur noch eine Stunde übrig. Dies hätte gut gereicht um noch etwas richtiges Essen zu gehen. Aber leider wird dieses Terminal im Moment umgebaut und so gab es nur einen überteuerten Hotdog… Danach Boarding des Airbus 380. Aber so spektakulär war der gar nicht. Aber es war erstaunlich leise und man hatte gut Platz für die Füsse :-).

Und dann waren wir in Japan. Die Immigration war ziemlich schmerzlos, aber auch hier wurden die Fingerabdrücke genommen und ein Bild gemacht. Aber keine Fragen, was ich hier den wolle. Das Ausfüllen des Formular reichte komplett. Und so darf ich nun 90 Tage in Japan bleiben :-).

Ursprünglich hatte ich geplant, am Flughafen das Velo zusammen zu setzen und dann zum Hostel zu fahren. Ich war aber zu müde dafür und nahm deshalb ein Taxi. Zum Glück hatte ich den Zettel vom Hostel ausgedruckt. Ich hätte nie und nimmer auf Japanisch erklären können, wohin ich genau wollte. Aber so klappte es. Danach wollte ich nur noch eines: schlafen.

Narita
Da ich einen kompletten Raum für mich hatte, erwachte ich ziemlich erholt am nächsten Tag. Frühstück gab es keines im Hostel und so musste ich mir erst mal was holen gehen. Dies zusammen mit Bargeld, da hier in Japan – abgesehen von Supermärkten – Kreditkarten ziemlich unbekannt sind. Bargeld bekommt man anscheinend praktisch nur auf der Post und bei den 7i (Seven Eleven) Läden. Und diese gibt es (bisher) zum Glück reichlich. Also ging ich mal einkaufen. Das Bargeld holen war ziemlich einfach, da man die Automaten auf Englisch umschalten kann. Beim Essen war es dann schon schwieriger, da das meiste nur auf Japanisch angeschrieben ist. Und das ist nicht nur eine andere Sprache sondern eben auch andere Zeichen. Sprich ich hatte keine Chance das zu verstehen bzw. innert nützlicher Frist zu lernen. Und so orientierte ich mich halt an den Bildern. Das nächste war Zahlen. In Japan gibt es ja praktisch für alles Regeln, wie man das so macht und da ich nicht negativ auffallen wollte, war ich ziemlich nervös. Schlussendlich klappte es, auch wenn ich keine der Fragen und Sätze verstand. Einfach immer schön lächeln, nicken und verbeugen ;-).

Am Mittag fragte mich Yama vom Hostel, ob wir Sushi essen gehen wollten. Und da für mich immer noch die Regel gilt, wenn jemand etwas anbietet, dies wann immer möglich anzunehmen, gingen wir Essen. Yama fuhr und ich durfte mich langsam daran gewöhnen auf der linken Seite der Strasse unterwegs zu sein, auch wenn mein Hirn ständig dagegen protestierte… Sushi gab es vom Förderband und es war mit gut 10 USD erstaunlich günstig. Yama erklärte mir glücklicherweise alles und ich kopierte einfach sein Verhalten. Danach ging es zurück ins Hostel und ich baute dort mein Velo zusammen. Glücklicherweise war noch alles da und auch in einem guten Zustand. Mir fiel dann aber auf, dass einige der Speichen am Hinterrad beschädigt sind; wohl durch das Herunterfallen und Einklemmen der Kette kurz vor Whittier. Auch die von REI scheinen dies nicht gesehen zu haben. Im Moment halten die Speichen aber noch und ich gehe mal das Risiko ein, damit weiter zu fahren. Ansonsten werden hoffentlich meine alten Ersatzspeichen passen. Mal schauen, ob ich diesen Entscheid später bereuen werde…

Am nächsten Tag regnete es in Strömen und ich kam praktisch nicht aus dem Haus. Yama bot mir zum Glück wieder an Essen zu gehen (dieses Mal Japanese Curry) und später auch noch in einem Buchladen vorbei zu schauen. Dort kaufte ich mir detaillierte Karten (Touring Mapple). Diese sind zwar nur in Japanisch, aber das ist immer noch besser als gar nichts. Und dann wurde mir auch bewusst, dass das Navigieren hier eine ziemlich Herausforderung werden könnte. Zwar hatte ich nun Karten, aber eben waren dort alle Ortsnamen etc. in japanischen Zeichen geschrieben. Es würde also ziemlich schwierig werden heraus zu finden, wo ich mich im Moment gerade befinde bzw. wohin ich genau fahren will. Zum Glück gibt es noch Google Maps auf dem Smartphone. In Kombination mit den Karten sollte ich in der Lage sein zu navigieren. Es braucht aber sicher jeweils etwas mehr Vorbereitung um auch an den richtigen Ort zu gelangen…

Narita – Tokyo
Am nächsten Tag sollte mein Abenteuer Japan richtig beginnen. Ich sattelte mein Velo, verabschiedete mich von Yama (Thank you very much for everything!) und machte mich auf den Weg. Yama hatte mir den empfohlenen Weg auf der Karte eingezeichnet und ich merkte relativ schnell, dass die Japaner zum Glück das gleiche Zahlensystem wie wir nutzen. Und alle grösseren Strassen haben eine Nummer. So folgte ich einfach der Strassen-Nummern. Aber auch so kontrollierte ich ständig auf meinem Smartphone, ob ich immer noch auf der richtigen Strasse unterwegs war… Die Strassen waren ziemlich schmal und es hatte auch viel Verkehr. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer waren aber praktisch alle sehr rücksichtsvoll und das machte es doch erheblich einfacher. Das Navigieren war aber trotzdem sehr anstrengend und ich wollte deshalb zum Mittagessen etwas einfaches und ging zu McDonalds (das erste Mal seit Santiago)… Aber auch ich hier ist Japan anders: Kein Ketchup und der BigMac war etwas klein (jedenfalls aus Velofahrer Sicht). Dafür kann man auf einer Liste in Englischer Sprache auswählen… Gestärkt ging es wieder zurück auf die Strasse und weiter Richtung Tokyo. Ein Amerikaner in Seward meinte vor einiger Zeit, dass ich nicht in Tokyo Velo fahren sollte. Er war aber noch nie da… Und bis jetzt kann ich die Aussage überhaupt nicht nachvollziehen. Ich erreichte Tokyo ohne Probleme und fand auch mein Hostel. Die Leute hier sind auf der Strasse wirklich sehr rücksichtsvoll und ich habe bis jetzt auf der ganzen Strecke nur einmal eine Hupe gehört. Und das ist das Eindrückliche in Tokyo: Es ist enorm ruhig. Kein Geschrei, kein Gehupe und praktisch auch sonst kein Lärm. Schon fast etwas sureal. Eindrücklich für mich war auch, das ich praktisch auf dem ganzen Weg nach Tokyo keine westlichen Gesichter sah (ich kann aber auch nicht sagen, ob die Menschen alle Japaner waren…). Es ist definitiv eine andere Welt. Aber bis jetzt gefällt es mir sehr gut, auch wenn es nicht einfach ist sich hier zu orientieren und zu kommunizieren. Die Menschen sind aber sehr hilfsbereit, wenn man sie fragt. Nur das Fragen fällt mir im Moment noch etwas schwer, da ich nicht einfach alle mit Englisch voll quatschen will. Wahrscheinlich führt aber kein Weg daran vorbei, da ich einfach kein Sprachgenie bin und schnell Japanisch lernen kann…

Und nun bereite ich mich in Tokyo für die weitere Reise vor. Am Donnerstag geht es Richtung Süden. Zuerst am Fuji vorbei und dann in die Berge Richtung Nagano und wieder Richtung Süden nach Osaka. Ich erwarte in etwa 10+ Tagen dort zu sein. Je nachdem, ob Fuji oder andere Berge noch am Weg liegen :-). Und wenn es klappt, dann geht es am Donnerstag Morgen noch auf den Fischmarkt. So habe ich wenigstens etwas in Tokyo gesehen.

Viele Grüsse aus Tokyo,

Stefan

PS: In der Gallery sind auch schon die ersten Bilder zu finden.


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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