LA – Es beginnt von Neuem


Nach dem Abenteuer Südamerika ging es erstmal mit dem Flugzeug via Atlanta nach Los Angeles in den USA. Glücklicherweise brachte mich (bzw. mein Velo) meine Chilenische Bekannte Mari schon am Tag vorher an den Flughafen, wo ich das Fahrrad über Nacht einstellte. Ein Transport mit Metro und Bus wäre eine ziemliche Herausforderung gewesen… Danke Mari!

Santiago – Atlanta – Los Angeles

Am Montag ging es dann auch für mich an den Flughafen. Der Check-In verlief reibungslos und auch mit dem Fahrrad klappte es. Eine Frage ist dabei jedes Mal, wieviel der Transport kosten würde. Dieses Mal verlangte die Fluggesellschaft Delta 150 USD welches wohl etwa dem Schnitt entspricht. Der Flug selbst begann dann etwas dramatisch. Ich kam gerade von der Toilette zurück, als sich verschiedene Leute um den Mann direkt hinter meinem Sitz beugten und versuchten ihn zu Bewusstsein zu bringen. Flight Attendants suchten derweil nach einem Arzt oder einer Ärztin an Bord. Von weitem sah es aus, als wollten sie den Mann wiederbeleben (was in mir natürlich gewisse Erinnerungen weckten), aber zum Glück war er „nur“ bewusstlos. Kurz darauf reagierte er wieder und schien auch sonst ok. Abgesehen von ein paar Turbulenzen war der Flug ansonsten ruhig.

In Atlanta angekommen ging es erstmal durch die Immigration. Der etwas rundliche Grenzbeamte wollte von mir wissen, was ich den in den USA genau vorhätte. Er konnte es natürlich fast nicht glauben, dass ich mit dem Velo von LA nach Alaska fahren wollte; gab mir aber (auch dank dem vorhandenen Visum) ohne weiteres eine Aufenthaltsgenehmigung von 6 Monaten. Das wäre mal geschafft gewesen. Nun kam der zweite Teil: Mein Velo durch den Zoll zu bringen. Ich wartete 45 Minuten bei der Ausgabe für Sperrgut aber mein Velo wollte einfach nicht eintreffen. Auch Nachfragen bei einem Zustänidgen half da nichts. Er meinte, dass ich das Fahrrad in LA als vermisst melden sollte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl machte ich mich auf den Weg zum Gate, da mein nächster Flug schon in weniger als 45 Minuten abheben sollte. Boarding lief dann auch schon, als ich am Gate eintraf…

Nach weiteren gut 4 Stunden erreichte ich schliesslich LA. Ich hatte noch die leise Hoffnung, dass mein Velo vielleicht trotzdem hier sein würde aber damit war leider nichts. Also auf zum Schalter und eine Vermisstmeldung erstellen. Auch das klappte problemlos und der Zuständige meinte, dass das Velo heute Abend oder morgen eintreffen sollte und sie es mir dann bringen würde. Das hatte für mich natürlich den Vorteil, dass ich mich erstmal nicht um den Transport dieser Riesenkiste sorgen musste.

Um für die ersten Tage etwas flexibler zu sein, hatten wir (Ines, meine neue Reisepartnerin und ich) ein Auto reserviert. Ich ging dieses erstmal abholen und danach einkaufen (ein kleiner Laptop und eine USA SIM Karte für mein Smartphone). Nachher ging es quer durch LA zu Sarah und David, bei denen wir die nächsten Tage verbringen dürfen. Am Abend holte ich dann noch Ines am Flughafen ab. Drei Mal durch LA an einem Tag reicht definitiv. Ich war schon froh zu wissen, dass ich bald wieder Velo fahren darf und mich nicht mit riesigen Freeways herumschlagen muss… Und tatsächlich: um 1.30 Uhr in der Nacht wurde dann auch noch mein Velo gebracht. Somit waren wir wieder komplett.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit einkaufen (u.a. im Outdoorladen REI) und Velos zusammen bauen. Und wir hatten eine super Zeit mit Sarah und David unseren Gastgebern. Vielen Dank Euch beiden!

Los Angeles – Malibu

Am Samstag Morgen ging es dann bei Sonnenschein endlich los. Zuerst auf’s Postamt um ein paar Dinge, die wir im Moment nicht brauchen, nach Alaska zu schicken. Und danach quer durch die Stadt Richtung Santa Monica. Unterwegs sprach uns ein Velofahrer an (ich nenne ihn aus meiner Erinnerung mal Eric) und er zeigte uns einen Weg etwas Abseits des vielbefahrenen Santa Monica Boulvards und gab uns sonst noch einige Tips auf den Weg. Unser erster halt war dann beim REI in Santa Monica. Leider war in der Zwischenzeit dichter Nebel aufgezogen und vom Beach in Santa Monica war nicht viel zu sehen. Nach dem Mittagessen ging es dem Strand entlang Richtung Norden. Auf dem Weg sprach uns der nächste Velofahrer an. Tim zeigte uns wiederum etwas den Weg. Den starken Verkehr konnte aber auch er nicht wegzaubern. Am Abend erreichten wir schliesslich Malibu, wo wir auf dem Camping neben unglaublich grossen Wohnmobilen übernachteten…

Malibu – Ventura

Am nächsten Tag ging es weiter der Küste entlang; leider immer noch im Nebel. Viel zu berichten gibt es da eigentlich nicht, ausser das ich erstaunt war, wie viele Erdöl- und Erdgasförderstellen es hier gibt. Und ja, der Camping bzw. der RV Park liegt direkt neben dem Freeway 101 und ist entsprechend laut.

Ventura – Santa Barbara (El Capitan)

Eigentlich sind wir ja im Sonnenstaat Kalifornien unterwegs aber auch heute hielt sich die Sonne zurück. Wenigstens regnete es nicht mehr im Gegensatz zur Nacht. Am Mittag erreichten wir den Ort Carpinteria und trafen dort auf den in den USA lebenden Rumänen Mario. Er war mit dem Velo von Monterey nach San Diego unterwegs, kämpfte aber mit defekten Speichen. Da hatten wir bis jetzt Glück. Weiter ging es nach Santa Barbara, wo wir auf super Velowege stiessen. Und wir hofften hier unseren Camping El Capitan zu finden. Leider war dieser aber nicht am in einer App eingezeichneten Standort sondern noch 15km weiter der Küste entlang. Und so blieb uns nichts anderes übrig als bei Dunkelheit über den unbeleuchteten Freeway 101 zu fahren. Keine sehr angenehme Erfahrung aber zum Glück ging es gut.

El Capitan – Lompoc

Weiter ging es bei Sonnenschein auf der 101 der Küste entlang bevor wir die Abzweigung auf die 1 nahmen. Der Verkehr liess merklich nach, dafür ging es steil den Berg hinauf. Aber all dies auf Asphalt. Definitiv ein anderes fahren als die vielen Schotterpisten in Südamerika. Am Abend erreichten wir schliesslich die Stadt Lompoc. Diese liegt am Rande der grossen Airforce Basis Vandenberg. Auf dem Camping trafen wir auf zwei junge Amerikaner, die mit dem Velo von San Francisco bis Santa Barbara unterwegs waren. Es war ihre erste grössere Velotour aber sie waren begeistert. Das kann ich gut verstehen :-).

Lompoc – Santa Maria

Der Wetterbericht für heute war nicht so gut und wir waren deshalb auch nicht überrascht, als es immer mal wieder etwas regnete und auch der Wind auffrischte. Kurz vor Santa Maria passierte uns dann aber eine veritable Front und der böige Wind schob uns glücklicherweise etwas den Berg hoch. Am Nachmittag erreichten wir schliesslich Santa Maria und quartierten uns in einem Motel ein. Ein zusätzlicher Ruhetag sollte hoffentlich auch dem Knie von Ines gut tun, welches Velo fahren im Moment nicht so cool findet.

Am Freitag geht es dann weiter Richtung Norden. Eigentlich sollte nun auch die Landschaft etwas interessanter werden. Bis jetzt hat es mich nicht vom Sattel gehauen aber ich bin wahrscheinlich von Südamerika her auch etwas verwöhnt…

Unser Momentaner Plan besteht darin bis Monterrey der Küste entlang zu fahren und danach das Tal Richtung Yosemite Park zu queren. Aber Pläne sind ja auch da um geändert zu werden (was wir bereits einmal gemacht haben). Irgendwann im Mai sollten wir dann in San Francisco sein.

Viele Grüsse aus Kalifornien,

Stefan


Über Stefan

I'm a telecommunication engineer by profession and like to discover the world by bike. I think, that it is the perfect speed to move but still be in touch with the world and the people which live there. And I'm very happy, that my girlfriend Susanna is joining me now on those adventures. If you are interested in other journeys we did so far, please also check my website www.biketravel.net. Stefan, Switzerland

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8 Gedanken zu “LA – Es beginnt von Neuem

  • David in LA

    Stefan,
    Glad you made it out of Hell-A in one (two) pieces. Was nice to have you at the VDL. Come back anytime. Don’t hesitate to call us if you need any help and/or contacts up the coast.

    Best,
    David and Sarah

    P.S.: Family of skunks (three babies) have moved in under the deck where you took a pic of your bike in a box, just after you left.

  • Marco

    Gute Fahrt weiterhin und nicht zu schnell, zwischen S.F und L.A. hats mich vor 1 Jahren geblitzt und die saftige Rechnung ist dann auch gekommen.. aber mit dem Rad nehmt ihrs ja gemütlich. In Moro Bay gibt’s gutes Essen direkt am Meer.

  • Mario

    Good job guys…Keep up the good work! I’ve been there and feel your pain…I had a bad knee along that route too, but a day layover should fix most pain with a fist full of Ibuprofen! 😉 Good luck on the rest of your journey!

  • Sandra

    Hallo Stefan,
    wau!!! du hast ja schon so viele km in den beinen und wundervolle eindrücke erleben könnne. ich konnte mir direkt vorstellen was dir durch den kopf gegangen sein muss als du diesen passagier regungslos im sitz gesehen hast. nun bist du unterwegs in meinem geliebten CA…genial. bei den fotos bekomme ich gerade heimweh…ich wünsche dir weiterhin viel spass auf dem Highway 1 und hoffe das wetter erlaubt es euch durch Yosemite Park zu fahren. du wirst die scenerie sicherlich geniessen und natürlich auch die steigungen lach. freue mich auf weitere schöne fotos und auf deine berichte. machs gut and take good care of yourself. big hug sandra

  • Urs

    Hallo Stefan,
    den Abstecher nach Calabasas habt ihr wohl verpasst 😉
    Das Fudi tut mir nur schon vom Lesen weh, ich denke aber es wird schon recht gut durchgegerbt sein.
    Ich hoffe ihr sammelt noch viele schöne Eindrücke – nicht am Fudi 😉
    Gruss Urs

  • Stefan Autor des Beitrags

    Vielen Dank Euch allen für Eure Kommentare! Es ist schön von Euch zu hören. Thank you very much for all your comments! It’s nice to hear from you.